Wissenschaftler klären auf: So vermeiden Reiter einen  lebensgefährlichen Hitzschlag beim Pferd!

Schweißausbruch, Sonnenstich, Hitzschlag: Pferde sind viel empfindlicher bei Hitze und heißen Außentemperaturen als wir Zweibeiner. Während beim Hitzschlag die Wärmeabgabe des gesamten Pferdeorganismus gestört ist und es zu einem generellen Temperaturanstieg kommt, ist beim Sonnenstich der Kopf ungeschützt direkter Hitze durch Sonnenstrahlen ausgesetzt, wodurch es zu zentralnervösen Störungen kommt. Da beide Fälle mit großem Leiden für das Pferd verbunden sind und unter Umständen tödlich enden können, sollte das Pferd im Sommer unbedingt richtig vor hohen Temperaturen geschützt werden.

Pferde haben einen größeren Anteil an aktiven Muskeln als wir Zweibeiner. Werden diese durch Bewegung und Training aktiviert, so erzeugen diese Muskelmassen Wärme und das Pferd gerät ins Schwitzen. Ein Pferd produziert bei Anstrengungen und intensivem Training im Schnitt 20 Liter Schweiß. Bei schwüler Hitze steigt die Produktion der Schweißmenge nicht signifikant an und es werden nur knapp 10 Liter mehr ausgeschüttet, was die Kühlung nicht wesentlich steigert. Zusätzlich hinzu kommt die sehr heiße Luft bei warmen Sommertemperaturen, welche mit 30 Grad und mehr kaum Abkühlung bietet.Die sogenannte Verdunstungskühlung bleibt an heißen Tagen somit quasi ohne Wirkung, da das Pferd in einem Fön aus warmer Luft steht. Der Schweiß rinnt in diesem Fall wirkungslos zu Boden und das Pferd kann  den wichtigen Kühlungsmechanismus nicht für sich nutzen. Zusätzlich gehen über den Schweiß wichtige Elektrolyte für den Organismus verloren, denn Pferdeschweiß ist sehr reich an Mineralstoffen und Spurenelementen. Der Stoffwechsel wird durch extremes Schwitzen aus diesem Grund fortschreitend demineralisiert. Durch den Verlust der Elektrolyte kommt es zu Störungen im Zellstoffwechsel, denn hier werden die lebenswichtigen Mineralstoffe dringend benötigt. Symptome des Elektrolytverlustes sind Muskelkrämpfe, Herzrhythmusstörungen und Nervenschäden. Bei starkem Schwitzen muss einem Pferd deswegen immer ein Elektrolytersatz in Futter oder Wasser gemischt werden.

Systemische Überhitzung

Pferde überhitzen bis zu zehnmal schneller als Menschen. Wird das Pferd kontinuierlich hohen Außentemperaturen und gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt oder dabei sogar noch weiter trainiert, wird fortlaufend Wärme erzeugt, die nicht reguliert werden kann. Dadurch kommt es zur Wärmestauung und zum Hitzschlag. Besonders an schwül-warmen Sommertagen ist die Gefahr groß, denn bei Temperaturen von  25 bis 30 Grad ist schon eine Viertelstunde gemäßigtes Training ausreichend, um die Körpertemperatur eines Pferdes auf ein gefährliches Niveau ansteigen zu lassen. Bei uns Zweibeinern dauert es bis zu einem solchen Anstieg drei- bis zehnmal so lang. Das Hitzeempfinden des Reiters darf also auf keinen Fall maßgebend sein, ob das Wetter zum Trainieren für das Pferd noch machbar ist oder nicht. Durch die Wärmestauung wird der Stoffwechsel angekurbelt, wodurch noch mehr Wärme produziert wird, bis die Blutzirkulation derart beeinflusst wird, dass das Gewebe vermindert mit Sauerstoff versorgt wird. Es kommt zur allmählichen Übersäuerung des Stoffwechsels und zum Anstieg der Körpertemperatur.

Symptome eines Hitzschlages

Die Körpertemperatur beginnt bis auf 41 Grad an zu steigen. In den Muskeln können sogar Temperaturen von 43 Grad erreicht werden. Ab solchen Temperaturen beginnen die Eiweiße des Pferdekörpers sich zu zerstören. Das Pferd fängt an zu taumeln und zu schwanken, kann apathisch wie in Narkose liegen, zusammenstürzen oder krampfen. Die Atmung geht oberflächlich und schnell, während die Schleimhäute sich allmählich bläulich verfärben.

Charakteristisch für einen Hitzschlag ist, dass das Pferd nicht mehr schwitzt und die Haut komplett trocken und heiß ist. Im weiteren Verlauf kommt es zu Blutdruckabfall, Koliken und Nierenversagen. In besonders dramatisch verlaufenden Fällen sind Überhitzungen des Pferdes auch schon tödlich verlaufen. Dies ist besonders für alte oder schwache Pferde mit schlechter Kondition eine große Gefahr, die immer im Hinterkopf behalten werden muss. Eine Überhitzung des Pferdes ist aus diesem Grund immer ein akuter Notfall, bei dem sofort ein Tierarzt gerufen werden muss.

Die Entstehung eines Hitzschlages setzt eine hohe Luftfeuchte und eine Verhinderung der Verdunstung voraus. Schlecht belüftete niedrige Ställe, enge Transporter, Turnierzelte in der Sonne, überfüllte Ställe, Eisenbahn oder Flugzeug mit falscher Klimatisierung sind prädestinierend hierfür.

Erste Hilfe bei Hitzschlag

Die erste Maßnahme bei einer Überhitzung des Pferdes ist es, das Tier in den Schatten zu führen. Hier sollte es vorsichtig mit nicht zu kaltem Wasser abgeduscht werden, wobei immer an den Beinen begonnen werden sollte, um keinen Schock zu verursachen. Ein alleiniges Kühlen der Beine bringt übrigens nichts, da an den Gliedmaßen die Blutgefäße sehr dünn sind. Dadurch kann nicht genug Kühlung weiter in den Körper transportiert werden. Hals und Rumpf müssen deswegen direkt mit Wasser gekühlt werden. Damit die Spritztour effektiv wirkt, ist es wichtig, dass mindestens zehn Minuten gekühlt wird. Kürzeres Abspritzen hat genau den umgekehrten Effekt, da der Körper auf den kurzen Kältereiz mit einer Gegenreaktion reagiert und Wärme zum Ausgleich schickt. Das ist selbstverständlich etwas, was auf keinen Fall erreicht werden soll. Um einen langfristigen Kühleffekt zu erzielen, müssen die Pferdebeine zunächst über zehn Minuten auf 15 Grad vorgekühlt werden. Der Wasserstrahl sollte nicht zu hart eingestellt sein, damit er die Sehnen nicht reizt. Vorsicht ist insbesondere auch bei unerfahrenen Pferden geboten. Das Hantieren mit dem Wasserschlauch macht  jungen Pferden oftmals Angst, so dass sie langsam ans kühle Nass gewöhnt werden müssen, um keine Panikreaktion auszulösen.

Immer beliebter aber nicht gerade effektiv sind Sprühaufsätze für den Schlauch, die das Wasser mit ätherischen Ölen anreichern. Diese Stoffe können die Kühlzeit nicht verringern und senken die Beintemperatur nur geringfügig stärker als reines Leitungswasser. Auch verlängern sie die Kühlwirkung nicht.  Ähnlich verhält es sich mit Kühlgel, was die Beine durch die enthaltenen ätherischen Stoffe erfrischt, jedoch nicht an die Tiefenwirkung von Wasser herankommt. Der einzige Vorteil des Gels ist jedoch, dass es sich gefahrlos auftragen lässt. Da es Substanzen enthalten, die auf der Dopingliste stehen, sollten Turnierreiter es bis 24 Stunden vor dem Start jedoch besser nicht benutzen. Ein weiteres praktisches Kühlmittel sind Kühlgamaschen aus dem Tiefkühlfach, welche die Kälte speichern und langsam ans Pferdebein abgeben.

Effektive Abkühlung bringt dem Pferd auch eine feuchte Decke. Als homöopathisches Kreislaufmittel kann dem Pferd Carbo vegetabilis verabreicht werden, bis der Tierarzt eintrifft. Auf keinem Fall darf dem Pferd Wasser angeboten werden, da durch die zentralnervösen Einschränkungen der Schluckreflex gestört ist. So kann es zur Einatmung von Wasser kommen, was im schlimmsten Fall eine Lungenentzündung auslöst. Aus demselben Grund ist dem Pferd auch das Futter zu entziehen.

Vorbeugende Maßnahmen

Besser als die Therapie eines Hitzschlages oder eines Sonnenstiches ist wie immer die Vorbeugung eines solchen Falles. Die Prophylaxe beginnt schon mit der Haltung der Pferde bei sommerlichen Witterungsbedingungen. So muss auf Weide oder Paddock für entsprechende Schattenplätze für alle Vierbeiner gesorgt werden, damit sie sich vor der prallen Sonne in Sicherheit bringen können. Ist dies nicht möglich, ist der kühle Stall tagsüber für das Pferd der bessere Platz. Im Stall muss für ausreichende Luftzirkulation und frische Luft gesorgt werden ohne dass die Pferde im Zug stehen. Trainings- oder auch Entspannungsausritte sollten in die frühen Morgen- oder die sehr späten Abendstunden gelegt, Ritte in der prallen Sonne generell vermieden werden. Insbesondere dann, wenn draußen die Temperaturen so steigen, dass selbst der Mensch sich nicht mehr gerne bewegen mag.

Diskussionsstoff bietet in diesem Zusammenhang auch immer wieder die Frage, ob es im Hinblick auf den Tierschutz noch pferdegerecht ist, bei sommerlicher Bruthitze mit seinem Pferd aufs Turnier zu fahren. Beginnend mit der Fahrt auf dem stickigen Anhänger, der Aufregung und Anspannung auf dem Turnierplatz und der Wartezeit im stickigen Transporter, sind hier sicherlich Zweifel berechtigt.

Wenn die Sonne zu Kopfe steigt – der Sonnenstich

Vom Hitzestau abzugrenzen ist der durch direkte Sonneneinstrahlung entstehende Sonnenstich. Hierdurch kommt es zu einer verstärkten Durchblutung des Gehirns und der Hirnhäute, was die Bereiche anschwellen lässt. Dadurch entstehen zentralnervöse Störungen, vergleichbar mit denen einer Hirnhautentzündung. Betroffen sind Pferde auf Turnierplätzen, Rennbahnen oder auf dem Acker, die länger ungeschützt mit dem Kopf in der Sonne stehen. Auch Weidepferde, die keine ausreichenden Schattenplätze haben, sind stark gefährdet einen Sonnenstich zu erleiden. Liegt ein Pferd im Sommer in der prallen Sonne, so sollte besser überprüft werden, ob es nur ein Mittagsschläfchen hält oder unter Umständen zusammengebrochen ist. Klassische Symptome für einen Hitzschlag sind ein Taumeln, starkes Schwitzen, beginnende Apathie und Orientierungslosigkeit.

Im Gegensatz zum Hitzschlag ist die Körpertemperatur nicht erhöht, wodurch die beiden Vorfälle klar voneinander unterscheiden werden können. Die schnellste Hilfsmaßnahme bei einem Sonnenstich ist es, das Pferd an einen kühlen, schattigen Platz zu bringen und den Kopf mit Hilfe von Wasser oder Eisbeutel zu kühlen. Auch ein konservativer Aderlass mit 7-8 Liter Blut kann beim Sonnenstich helfen. Hierfür muss jedoch ein erfahrener Tierarzt vor Ort sein, da die Methode nicht ganz ohne Risiko ist. Abhängig von Verfassung und Kondition des Pferdes muss abgewogen werden, ob die Durchführung möglich ist oder unter Umständen einen Kreislaufzusammenbruch verursachen kann.

Bildquelle: Quelle : Pixelio, Peter Smola.