Leicht verdaulich, vitaminreich und einfach lecker:

Karotten schmecken beinahe jedem Pferd und sind dabei auch noch sehr gesund. Neben diesen beiden herausragenden Eigenschaften hat das orangene Gemüse aber noch einiges mehr zu bieten, wie Forscher aus Wien und Erlangen jetzt ans Licht brachten, denn Möhren können zum Erste-Hilfe Mittel bei Magen Infektionen und Durchfallerkrankungen des Pferdes werden.

Als Futterergänzung, Zwischenmahlzeit oder gesunde Belohnung sind Karotten bei Pferd und Reiter gleichermaßen beliebt, denn sie sind günstig, zu jeder Jahreszeit zu bekommen, leicht zu lagern und liefern dem Vierbeiner eine große Portion an Vitaminen und Mineralstoffen. Zudem dürfen auch Vierbeiner, die etwas mehr auf den Rippen haben oder dickbäuchige Ponys gerne mal mit ein paar leckeren Möhrchen belohnt werden. Aus diesem Grund sind Karotten aus fast keinem Pferdestall wegzudenken und fester Bestandteil auf dem tierischen Speiseplan. Das saftige Gemüse enthält bekanntermaßen einen hohen Gehalt an ß-Carotin, eine Vorstufe des Vitamin A. Beta-Carotin gehört zu den Carotinoiden und sorgt für die frische orange Farbe der Mohrrübe. Der Pferde Stoffwechsel ist in der Lage aus diesem Provitamin, dass für den Organismus notwendige Vitamin A selber herzustellen. Das lebenswichtige Vitamin erfüllt wichtige Aufgaben innerhalb der Vorgänge am Auge und der Sehkraft. Weitere Funktionen nimmt es bei Wachstum, dem Knochenbau und der Hufgesundheit ein. Vitamin A gilt zudem als  Schutz Vitamin für die Schleimhäute der Atemwege, des Verdauungstraktes, der Harnwege und der Geschlechtsorgane. Bei einem Vitamin A Mangel kann es zu Pigmentstörungen, Austrocknung, Verhornung, und Verfärbungen der Schleimhäute kommen. Ein chronisches Defizit kann weiterhin zu Einschränkungen in der Sehkraft führen.

Schmackhafter Nährstofflieferant

Weiterhin enthalten Möhren hohe Menge der wichtigen Mineralstoffen Kalium, Calcium und Magnesium, sowie die wertvollen Spurenelemente Eisen und Zink. Knackige Karotten sind jedoch nicht nur wahre Nährstoffbomben, sondern werden seit vielen Jahren auch bei Kleinkindern als Suppe eingesetzt, um Durchfälle zu stoppen - und das sehr erfolgreich. Der zugrundeliegende Mechanismus für diesen Erfolg war bislang unbekannt, weswegen die Forscher aus Wien und Erlangen die Karotte in Bezug auf die Darmgesundheit des Pferdes einmal genau unter die Lupe nahmen. Durchfallerkrankungen beim Pferd entstehen in der Regel durch einen Infekt mit Darmbakterien oder Viren. Klassisch zählen hierzu Coli-Bakterien, Salmonellen oder auch Rotaviren. Diese besiedeln den Verdauungstrakt, verdrängen die „gute Magen-Darm-Flora“ und hängen sich an die Oberflächenstrukturen der Darmwand und verankern sich dort fest. Auf diese Weise besiedeln Bakterien und Viren schnell den gesamten Verdauungstrakt und setzen nachfolgend Giftstoffe frei. Diese giftigen Substanzen führen zu den Symptomen einer Darm-Infektion und es kommt zu Durchfall. Der Ansatz einer Therapie von Darmerkrankungen, sowohl beim Kleinkind als auch beim Pferd, ist es demnach die Verankerung der Erreger an der Darmwand von Vornherein zu unterbinden. Auf diese Weise kann Durchfall verhindert oder im Akutfall abgemildert werden, was den Einsatz von Antibiotika reduziert bzw. sogar vollkommen unnötig macht. Dies kommt einer dauerhaften Darmgesundheit entgegen, denn eine häufige Antibiotikagabe birgt nicht nur die Gefahr von Resistenzen, sondern zerstört auch das normale Milieu der Magen-Darm-Flora. Ein Ungleichgewicht innerhalb der „guten Darmbakterien“ kann weitere Unregelmäßigkeiten in der Futterverwertung nach sich ziehen kann.

Andockstellen für Bakterien

Der Therapieansatz die Bakterien an einer Besiedlung der Darmwand zu hindern, hat nun etwas mit den besonderen Eigenschaften der Mohrrüben zu tun- denn diese kommen genau hier zum Einsatz. Grund hierfür ist die chemische Struktur aus der eine Karotte aufgebaut ist. Im chemischen Gerüst einer Mohrrübe finden sich die gleichen „Andockstellen“ wie sie in der Darmwand für die Bakterien präsentiert werden. Diese natürlichen Ankerstellen  nennt man im Fachbegriff Oligogalakturonsäuren. Treffen die Erreger auf diese chemischen Strukturen der Karotte im Darm so werden sie automatisch gebunden, bevor sie sich an der Darmwand ansiedeln können. Bereits eine sehr geringe Menge an Mohrrüben im Pferdedarm kann die Bakterien auf diese Weise vollständig blockieren und an sich binden. Gemeinsam mit dem Gemüse werden die Erreger anschließend aus dem Darm geschleust und ausgeschieden. Um diesen grandiosen Effekt gegen Durchfall jedoch wirklich für das Tier nutzbar machen, muss man beachten, dass die Moleküle zur Bakterienbindung erst durch Wärme in der Mohrrübe aktiviert werden. Aus diesem Grund hat auch nur die Möhrensuppe einen so durchschlagenden Erfolg bei Durchfall von kleinen Kindern. Rohe Karotten können gegen die Darmbakterien leider nichts ausrichten. Als Alternative zum Suppe kochen für sein Pferd kann der Pferdebesitzer auf mittels Wärme dehydrierte Karotten-Pellets zurückgreifen. Diese sind leicht zu lagern, handlich zu dosieren und werden in der Regel ebenfalls gerne gefressen. Durch die thermische Verarbeitung sind zudem die wichtigen Moleküle zur Bakterienbindung aktiviert und können in vollem Umfang greifen.  


Hanna Katrin Stephan -Tierärztin und Springreiterin