Brennende Muskeln nach forderndem Wettkampf - Muskelkater beim Pferd 

Motiviert in das neue Training starten und am nächsten Tag die Quittung dafür bekommen das kennen wir auch von uns selber. Muskelkater kann unangenehm sein und lässt lang vergessene Muskeln schmerzen. Was bei uns Zweibeinern vorkommt, widerfährt auch dem (untrainierten) Pferd nach einer intensiven Trainingseinheit.
Ein verantwortungsbewusster Reiter sollte sich darauf einstellen und das Training seines Vierbeiners dementsprechend planen, um brennende Muskeln und steife Knochen zu umgehen- denn Schmerzen beim Laufen sind keine Motivation, um das Beste im Training zu geben! Da unser Vierbeiner uns nicht mitteilen kann, wann die Muskeln „brennen“ und ein entspannter Ausritt dem Training in der Bahn vorzuziehen ist, müssen Reiter und Trainer hier die Verantwortung übernehmen und das tägliche Pensum individuell dem Pferd anpassen.

Als „Muskelkater“ wird im Allgemeinen jeglicher Schmerz in der Muskulatur bezeichnet. Dieser tritt bei nicht trainierter Muskulatur häufiger und intensiver auf, als bei straff getrimmten Muskelpartien. Je nach Beanspruchung tritt der Muskelschmerz zeitverzögert erst nach ein paar Stunden oder am nächsten Tag auf. Mitverursacher am unangenehmen Muskelbrennen ist der Muskelaufbau mit anschließender Leistungssteigerung- die sogenannte „Superkompensation“. Diese besagt, dass der Muskel nach einer Trainingseinheit nicht wieder auf sein vorheriges Niveau zurückkehrt, sondern während der sich anschließenden Erholung sein Leistungsniveau anhebt. Bei regelmäßiger Wiederholung des Trainings wird dieses Niveau gehalten oder noch weiter ausgebaut. Wichtig für einen effektiven Trainingseffekt ist die richtige Zeit zur Regeneration. Fällt die Erholungsphase zu lange aus, verpufft das Training effektivlos. Bei zu kurzer Regeneration oder zu harten Training kann sich der Körper nicht erholen und das Leistungsniveau sinkt.

Verspannungen, Schmerz und Unwille

Während der Regeneration sind die betroffenen Muskeln bei gewissen Bewegungen äußerst empfindlich bis stark schmerzhaft. Weiterhin können Verhärtungen und Druckempfindlichkeit festgestellt werden. Die Leistung der betroffenen Muskeln ist reduziert. Durch die erhöhte Empfindlichkeit lassen sich die betroffenen Pferde an einigen Stellen nicht mehr berühren oder zeigen sich unwillig beim Satteln oder anderen unangenehmen Bewegungen. Symptome, die länger als vier bis sechs Tage anhalten, können jedoch auf schwerwiegendere Ursachen hindeuten- wie beispielsweise Zerrungen oder komplette Muskelfaserrisse. Dies muss unbedingt durch einen Expertenausgeschlossen werden. Je nach Beanspruchung hält der Muskelschmerz für wenige Stunden bis zu einer Woche an. Das Wort „Kater“ entspringt vermutlich dem Wort „Katarrh“, was übersetzt eine Entzündung bezeichnet. Dieser Begriff ist jedoch irreführend, denn selbst bei prägnanten Schmerzen, darf ein Muskelkater nicht mit Prellungen, Infektionen oder Zerrungen gleichgesetzt werden. Ursprünglich wurde als Ursache für einen Muskelkater die erhöhte Laktatbildung und damit einhergehende Übersäuerung der Muskulatur während des Trainings vermutet. Das erhöhte Laktat hat jedoch entgegen dieser früheren Theorie keinerlei Auswirkungen auf das Auftreten oder gar auf die Intensität des Muskelkaters. Dies konnte in verschiedenen neuen Studien bestätigt werden, da Laktat nach sehr kurzer Zeit vollständig vom Körper abgebaut und „entsorgt“ wird. Schmerzhaft hingegen sind die durch das Trainieren entstehenden sehr feinen Mikrorisse und Minimal-Verletzungen innerhalb der Muskelfasern. Hier liegt die wahre und hauptsächliche Ursache für den Muskelkater. Die Schmerzen führen den Muskel häufig in einen Teufelskreis, denn die betroffene Partie spannt sich durch das Schmerzempfinden reflektorisch an. Spannung bedeutet jedoch Bewegung und somit hat der Muskel keine Chance sich zu regenerieren- denn nur ein Muskel, der sich komplett entspannt, kann sich erholen und anschließend wieder gut arbeiten. Vom Muskelkater betroffen sind meist nicht speziell einzelne Muskeln, sondern zusammen arbeitende Partien.

Langsames Training- langfristiger Erfolg

Häufig betroffen von Muskelkater sind die Muskelgruppen an Vorhand, Schulter und Knie des Pferdes. An diesen Stellen muss in erster Linie Haltearbeit verrichtet werden- wie unter anderem bei Landung nach einem Sprung, plötzlichen Stopps oder Richtungswechseln. Bei ungewohnter Bewegung kann jedoch genauso gut an jeder anderen Muskelpartie ein Muskelkater entstehen. Untrainierte Pferd oder noch sehr junge Vierbeiner, welche die ersten Runden mit Reiter absolvieren sind selbstverständlich besonders prädestiniert. Abhilfe vom Muskelbrennen versprechen alle Maßnahmen, welche die Durchblutung der betroffenen Stellen fördern. Durch einen verbesserten Blut und Lymphfluss werden entstehende Abbauprodukte schneller wegtransportiert und der Muskel kann rascher heilen. Zudem werden ihm alle wichtige Bau- und Nährstoffe für seine ideale Versorgung schneller zugeführt. Die einfachste Maßnahme für eine verbesserte Durchblutung ist Wärme: hierzu kann das Pferd in die Sonne oder unter das Solarium gestellt werden. Ebenso effektiv sind warme Decken oder Infrarotlampen. Eine lockere Bewegung ohne große Anstrengung hilft weiterhin den Muskel zu lockern, ohne ihn jedoch weiter zu beanspruchen.

Um ein Pferd ideal zu trainieren, sollte der Vierbeiner langsam aufgebaut werden und das Training dem Fortschritt regelmäßig angepasst werden. So wird eine Beanspruchung der Muskulatur und ein damit einhergehende negative Erfahrung des Pferdes vermieden. Passend zum Training muss die Fütterung ausfallen, so dass Muskulatur und Stoffwechsel gut versorgt werden. Um den gesamten Bewegungsapparat lange gesund zu halten, ist es ganz wichtig sich für den Muskelaufbau genügend Zeit zu nehmen und die Intensität des Trainings nur langsam zu steigern. Zudem ist Abwechslung wichtig, damit sich die Muskelpartien gleichmäßig entwickeln und nicht einzelne Stellen übermäßig gefordert sind, während andere Muskeln verkümmern. Dies fördert zudem eine gesunde Psyche des Pferdes, was für ein effektives Training eine ganz wichtige Rolle spielt. Negativer Stress führt zu Verspannungen und festen Muskeln, die nicht mehr ideal arbeiten können- und garantiert zu Muskelkater am nächsten Tag! 

Hanna Katrin Stephan - Tierärztin in München