Als Tierärztin und Springreiterin sind lahme Pferde keine Seltenheit für mich: beim Vet-Check, im Training oder beim Reinholen von der Koppel fällt es auf, dass das Pferd beim Laufen nicht mehr gleichmäßig belastet. Ursachen für den steifen Gang, eine deutliche Lahmheit oder sogar sicht- und fühlbare Schwellungen können dabei ganz unterschiedlich sein. Neben akuten Verletzungen, sind es häufig chronische Knochenveränderungen, welche einen schmerzhaften Reiz am Pferdebein verursachen. Ein “Klassiker” in der Lahmheitsdiagnostik beim Pferd ist hierbei die sogenannte Schale.

Schale beim Pferd äußert sich ganz nach Ausprägung und Lokalisation unterschiedlich. Ihre Ursache ist jedoch meist ähnlich: Durch Überlastung oder einen mechanischen Reiz entsteht ein Schaden, durch den eine fehlerhafte Bildung von Knochengewebe ausgelöst wird. Geschieht eine solche ungewünschte Knochenwucherung (Exostose) im Zehenbereich wird dieses Krankheitsbild als Schale bezeichnet. 

Wenn der Knochen krankhaft wuchert, kommt es zu Problemen im Bewegungsablauf und das Pferd geht lahm. Von „tiefer Schale“ spricht der Fachmann, wenn Huf- oder Kronbein betroffen sind, während Knochenwucherungen an Fessel- oder Kronbein als „hohe Schale“ bezeichnet werden. Entscheidend für die Prognose einer Schale ist zudem ihre Nähe zum Gelenk. Aus diesem Grund wird die gelenknahe Schale (periartikulär) von der Gelenkschale (artikulär) unterschieden. Bei der artikulären Form geraten die Knochenwucherungen schnell an die  Gelenkfläche und lösen dort chronische Entzündungsprozesse aus. Hierdurch wird der Gelenkknorpel langsam zerstört und das betroffene Gelenk verknöchert zunehmend. Aus diesem Grund ist eine Schale am Gelenk für die Pferde meist schmerzhafter und deswegen mit deutlicherer Lahmheit verbunden. Besteht die Gelenkreizung fortlaufend, so kann es zu einer vollkommenen Verknöcherung des Gelenkes kommen. Ab diesem Zeitpunkt lassen Schmerz und Lahmheit nach, jedoch ist durch die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit nur noch ein stumpf wirkender Gang des Pferdes möglich.

 

Überlastung, Verletzungen, Reize
Ursache für die Schale kann neben einem mechanischen Reiz auch eine Entzündung im Gelenkbereich sein. Weitere Faktoren, die solche sogenannten „arthrotischen Veränderungen“ begünstigen, sind eine zu frühe Belastung noch wachsender Knochen, Quetschungen oder Verstauchungen. Hauptursache für schmerzhafte Gelenkveränderungen und das Krankheitsbild „Schale“ sind jedoch  Überbelastungen und Stellungsfehler. Durch beides werden ansetzende Bänder und Sehnen falsch belastet und dadurch permanent gereizt.

 

Zudem sind Pferdebeine, die häufig plötzlichen Stopps und Wendungen ausgesetzt sind, prädestiniert für die Ausbildung einer Schale. Weiterhin kann jegliche Beeinträchtigung oder Verletzung der Knochenhaut zu einer Wucherung des Knochens führen. Somit kann Schale auch die Folge eines Trittes oder einer Verletzung durch Draht sein, welche die Knochenhaut zerstört und schlechten Falls die wucher artige Veränderung nach sich zieht. Klassische Schale-Risikopatienten sind alte, sehr belastete Pferde sowie junge Tiere, die an einem gestörten Knochenstoffwechsel leiden. Weitere Risikofaktoren birgt eine Aufzucht von Pferden, bei denen es durch eine fehlerhafte Ernährung zu einer Unterversorgung von Mineralstoffen kommt. Erstes Anzeichen einer Schale für den Besitzer ist meist eine erkennbare Lahmheit des Vierbeiners. Eine fühlbare Schwellung kann auftreten, muss aber nicht immer erkennbar sein - dies hängt ganz vom Schweregrad der Veränderung ab.

 

 

 

Lahm oder Klamm
Je nach Empfindlichkeit des Pferdes kann sich eine Schale auch erst im fortgeschrittenen Stadium durch einen klammen Gang oder ein deutliches Lahmen äußern. Somit ist die Stärke der Lahmheit nicht immer aussagekräftig für die Schwere der knöchernen Veränderung. Während sich einige Pferde während der Arbeit immer mehr einlaufen, beginnen andere Patienten erst ab einer bestimmten Belastungsgrenze zu lahmen. Der Lahmheitsgrad ist deswegen kein sicheres Mittel um die Schwere oder Art einer Schale zu bestimmen. Es ist deswegen auch unbedingt davon abzuraten Pferde, die sich augenscheinlich einlaufen, weiter zu belasten.

Neben der Lahmheits-Symptome sind klassische Anzeichen einer Schale die vorwiegende Belastung der Trachten und eine generelle Entlastung der Vorderbeine, die dem sägebock ähnlichem Stehen bei einer Hufrehe ähneln kann. Das Pferd trabt ohne erkennbaren Raumgriff, tritt mit klammem Gang und eine Beugung des Gelenkes ist nur eingeschränkt möglich. Während im Anfangsstadium sich eine Schale durch druckempfindliche Schwellungen äußern kann, sind im späteren Stadium deutliche, knochenharte Verdickungen am Kronsaum sicht- und fühlbar.

Die gesicherte Diagnostik einer Schale erlaubt jedoch nur das Röntgenbild, auf dem sich die knöchernen, krankhaften Strukturen deutlich erkennen lassen. Weitere Diagnosewege sind einzelne lokale Anästhesien (Betäubung eines Bereiches) entlang des betroffenen Gelenkes. Auf diese Weise kann die schmerzhafte Stelle besser lokalisiert werden. Ganz genaue Rückschlüsse erlaubt ein MRT des betroffenen Beines. Dies ist jedoch mit einem erheblich höherem finanziellem Aufwand verbunden. Wird die knöcherne Veränderung früh erkannt, so ergeben sich bessere und vielfältigere Wege der Behandlung. Das Fortschreiten der Schale kann so effektiv verlangsamt oder gar verhindert werden.

Leichte Bewegung und Hilfe aus der Natur

Zu Beginn der Therapie sollte zunächst ihre auslösende Ursache wie eine mechanische Reizung oder mögliche Fehlstellung beurteilt werden und in wieweit diese beispielsweise durch einen orthopädischen Beschlag behebbar ist. Orthopädische Beschläge eignen sich weiterhin auch zur Ruhigstellung des Gelenkes, um akute entzündliche Vorgänge zunächst einzudämmen. Klassische Wege einer Therapie sind weiterhin eine allgemeinen Schmerztherapie und eine lokale Behandlung des Gelenkes mit Entzündungshemmern oder auch der Einsatz von Hyaluronsäure. Eine pauschale Therapie ist jedoch schwierig zu verordnen, da die Schale je nach Pferd, Alter, Lokalisation und Stadium ganz unterschiedlich ausfallen kann und sich dadurch unterschiedliche Prognosen ergeben. Eine Therapie, die in jedem Fall Entzündung, Schmerz und Schwellung bekämpft, ist die sogenannte  Orthokin-Therapie. Hierbei erhält das Pferd ein körpereigenes Serum aus seinem Blut. Umgangssprachlich ist diese Methode deswegen auch als „Eigenblutbehandlung“ bekannt. Die in diesem Serum enthaltenen Proteine verhelfen dem Gewebe zur Regeneration und verhindern so einen weiteren Abbau. Langfristig gesehen ist eine Schale in jedem Fall eine chronische Erkrankung. Dies bedeutet, dass diese nicht mehr komplett ausgeheilt werden kann und sich die knöchernen Wucherungen nicht zurück bilden. Aus diesem Grund hat eine Behandlung immer die Schmerzstillung für das Pferd als oberstes Ziel. Um ein weiteres Fortschreiten zu verhindern, müssen alle entzündlichen Prozesse aufgehalten werden. Zeigt das Pferd ein Lahmen, so darf es selbstverständlich auf keinen Fall geritten werden. Leichte Bewegung in Form von Spaziergängen wirken sich jedoch positiv auf das Gelenk aus, da so die Durchblutung angeregt wird und Entzündungsmediatoren leichter abtransportiert werden. Nahrungsergänzungen, die sich unterstützend auf den Gelenkstoffwechsel auswirken, sind zudem eine sehr gute Ergänzung zu allgemeinen Therapie. Gut eignen sich hierfür traditionelle Zutaten der Naturheilkunde, die bekannt sind u.a. die Produktion von Gelenkschmiere zu fördern. Hierzu zählen beispielsweise Glucosamin,  Kollagen und Chondroitin - wobei letztere auch natürliche Bausteine innerhalb des Gelenkes darstellen.

Autorin: Hanna Katrin Stephan, Tierärztin & Springreiterin, München