Sommerzeit ist Koppel- und Parasitenzeit! Neben lästigen Bremsen, Mücken und Zecken, sorgen die winzig kleinen Grasmilben für besonders schlimmen Juckreiz beim Pferd. Ausgewachsene Herbstgrasmilben entwickeln sich über verschiedene Entwicklungsstadien zur ausgewachsenen Milbe. Ein Stadium ist das Larvenstadium – und Larven sind immer hungrig!

Ausgestattet mit sehr effektiven Beißwerkzeugen krabbeln die Milbenlarven (nur diese beißen!) auf der Suche nach Nahrung vom Boden aus über Huf und Gliedmaßen auf die Pferdhaut und bohren sich in die obersten Hautschichten, um sich dort satt zu fressen. Der abgegebene Speichel sorgt für eine Gegenreaktion auf der Pferdehaut und verursacht den starken Juckreiz.

Verbreitet sind Grasmilben in, die zur Kategorie der „Spinnentiere“ und nicht zu den Inseketen gehören, vor allem in Südosteuropa. Bei uns sind sie vermehrt in Süddeutschland und dem Rheinland anzutreffen, können sich auf ihren ausgedehnten Wanderungen auch mal nördlicher ansiedeln.

Die Aktivität ihrer Larven beginnt im Frühjahr und hält die gesamte Weidesaison bis spät in den Herbst an. Ausgewachsene Grasmilben überstehen problemlos den Winter und sind ausschließlich bei Tageslicht aktiv. Ihre Wohlfühltemperatur liegt bei ungefähr 15 Grad und animiert sie zu ausegedehnten Wanderrouten. Durch ihre blassorangene Färbung und ihre geringe Körpergröße von nur wenigen Millimetern sind die Larven der Grasmilbe mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen, was die Diagnose „Milbenbefall“ stark erschwert. Wie die Milben selber sind auch die Larven äußerst beweglich. Sie verursachen durch ihre Beißwerkzeuge kleine Verletzungen in der Pferdehaut, um an ihre Nahrung - Hautschuppen, Zellsäfte und Lymphe- zu gelangen. Sind die Larven gesättigt, lassen sie sich – ähnlich einer Zecke- nach ein paar Stunden einfach wieder vom Pferd fallen. Der Juckreiz des Pferdes wird durch de Speichel erst zeitverzögert ausgelöst und ist meistens hochgradig. Durch die zeitverzögerte Symptomatik, ist der Juckreiz meist schwer zuzuordnen, da weder die Larven noch die Bißstellen zu diesem Zeitpunkt noch sichtbar sind. Die Diagnose eines Grasmilbenbefalls ist somit nicht ganz einfach und erfolgt meist über den Ausschluss anderer Ursachen, wie Kontaktallergien, Sommerekzem, Mauke, Pilzbefall oder Futtermittelallergie.

Der Juckreiz, der durch Milbenlarven ausgelöst wird, ist für das Pferd doppelt unangenehm , da er sehr hartnäckig ist und bis zu zwei Wochen anhalten kann. Scheuert sich das Pferd blutig, können die Hautstellen eine willkommene Eintrittspforte für Bakterien sein, so dass sich sekundäre Entzündungen ausbilden. Reagiert das Pferd auf den Milbenspeichel allergisch, nehmen Juckreiz und Symptome extreme Ausmaße an und die Selbstverletzung der Haut kann große Areale betreffen.

Typische Lokalisationen für Hautverletzungen durch Milbenbisse sind Kopf und Fesselbeuge. Kann Mauke oder Pilz sicher ausgeschlossen werden, so liegt in den meisten Fällen ein Milbenbefall vor.

Für eine effektive Behandlung muss das Pferd mit einer Lösung gewaschen werden, welche die Larven sicher abtötet. Zusätzlich hat sich eine gründliche Reinigung mit Kernseife als nützlich herausgestellt, da die betroffenen Stellen im Anschluss besser austrocken und sich keine nässenden Areale bilden. Wer auf Chemikalien und Insektizide verzichten möchte, kann auch auf eine Mischung aus Wasser und Apfelessig setzen, welche die Plagegeister auch weitesgehend beseitigt. Diese Lösung ist jedoch nicht für empfindliche Nasen geeignet!

Zur Stillung des Juckreizes sollten kühlende Gels oder Salben verwendet werden. Im Fall einer Allergie oder eines besonders hartnäckigen Juckreizes kann eine milde Cortison Behandlung

angeraten sein. Entzündete Hautstellen müssen gereinigt, desinfiziert und mit Jodsalbe behandelt werden.

Um sein Pferd vor Grasmilben zu schützen können Fliegensprays, Neemöl oder Insektendecken eingesetzt werden. Im Hochsommer kann auch ein nächtlicher Weidegang die Lösung der Wahl sein.

© Autorin: Hanna Stephan